Internationales Festival: Spardruck: Warum das Frauenfilmfest weniger Filme zeigt
Es ist eine wichtige Plattform für Filmemacherinnen, doch weil Geld fehlt, wird jetzt am Programm gespart. Ein Problem, das die ganze freie Kulturszene betreffe, warnt die Festivalleitung.
Wegen gekürzter Fördermittel und gestiegener Kosten startet das Internationale Frauenfilmfest am 1. April in Dortmund mit weniger Programm als gewöhnlich. So entfallen in diesem Jahr Vorführungen in Köln, die dort sonst als repräsentative Auswahl des Hauptprogramms gezeigt werden. Auch bei Spezialprogrammen, mit denen das Festival häufig das aktuelle politische Geschehen aufgreift, haben die Macher in diesem Jahr stark kürzen müssen, wie es von der Leitung des mehr als 40 Jahre alten Filmfestivals heißt.
Das renommierte Filmfest findet im Wechsel in Köln und Dortmund statt und versteht sich als Deutschlands größtes Forum für Frauen in der Filmbranche.
Qualitätsverluste befürchtet
Mittelkürzungen sowie ausbleibende, aber angesichts gestiegener Kosten notwendige Erhöhungen bedrohen aus Sicht der künstlerischen Leiterin Maxa Zoller perspektivisch die Qualität des Programms: „Wir werden unseren Grundstock halten, aber wir werden das Salz in der Suppe nicht mehr bieten können“, befürchtet sie. Fehle etwa Geld für Kuratorinnen, könne man nicht mehr so präzise und effektiv auf aktuelles Geschehen reagieren, wie es dem Anspruch des Festivals entspreche.
Das traditionsreiche Treffen selbst sieht Zoller allerdings nicht bedroht: „Wir haben hier als einziges Frauenfilmfest mit Wettbewerb in Deutschland einfach ein Alleinstellungsmerkmal.“
Freie Kulturszene leidet unter Kürzungen
Die freie Szene, zu der das Festival zähle, stehe als Ganzes massiv unter Druck. Gestiegene Übernachtungskosten, Kinomieten, inflationsbedingte Preiserhöhungen in allen Bereichen, aber auch höhere Löhne und Honorare bedeuteten immer sehr schnell Einschnitte. „Wenn Sie bei einem großen Theater kürzen, dann ist da immerhin noch das Haus. Kürzen Sie bei der freien Szene, die gar kein Haus hat, ist die freie Szene weg“, sagt Zoller.
Dabei beanspruche diese nur einen Bruchteil der öffentlichen Gelder, stelle gleichzeitig in vielen Städten einen Großteil des kulturellen Angebots und leiste einen wichtigen Beitrag für den Nachwuchs. „Im Festivalteam erlebe ich, dass wir ganz vielen Absolventen und Absolventinnen den Schritt ins Berufsleben ermöglichen. Und auch auf der Leinwand sieht man bei uns die großen Namen von morgen“, sagt Zoller.
Das bietet das Frauenfilmfest
Trotz Spardrucks präsentiert das Internationale Filmfest von Dienstag bis Sonntag ein dichtes Programm mit mehr als 100 Filmen, zahlreichen Gesprächen und Workshops. Im Mittelpunkt stehen wie immer Regiearbeiten von Frauen aus der ganzen Welt.
Eröffnet wird das sechstägige Programm mit dem preisgekrönten Dokumentarfilm „Die Möllner Briefe“ von Martina Priessner. Die Arbeit thematisiert den rassistischen Brandanschlag von Mölln im Jahr 1992. Acht Filme gehen in das Rennen um den mit 15.000 Euro dotierten Internationalen Spielfilmpreis. Darin erzählten die Regisseurinnen vielfältige Geschichten des Widerstands, heißt es in der Ankündigung.
Kein Verzicht beim Kinder- und Jugendprogramm
In einem Schwerpunkt setzt sich das Filmfest in diesem Jahr mit Kolonialgeschichten und deren Auswirkungen bis in die Gegenwart auseinander, will diskriminierende Filmsprache aufdecken und Alternativen aufzeigen.
Ausdrücklich nicht gespart werden soll beim Filmprogramm für Kinder und Jugendliche: In Zusammenarbeit mit Kitas und Schulen werden in Köln und Dortmund 21 Filme aus 13 Ländern gezeigt, darunter viele Dokumentarfilme und kurze Formate.